1453 – Konstantinopel unter Beschuss. Nova Roma, die Goldene Stadt am Bosporus geht ihrem Ende entgegen – und mit ihr endgültig auch das Basileia tōn Rhōmaiōn – das Reich der Römer – heute bekannt als Byzanz. Die Stadt ist, seit die Kreuzfahrer sie 1204 brandschatzten, zwar nur noch eine symbolträchtige Ruine an strategisch günstiger Stelle, für die verbleibenden Einwohner geht es trotzdem um Leben und Tod.
Osmanische Bronzekanonen zerschiessen die Theodosianischen Mauern. Die Janitscharen rüsten zum Sturm. Vergewaltigung, Plünderung und Versklavung drohen. Die Katastrophe steht bevor – und was passiert währenddessen innerhalb der Stadtmauern? Die Byzantiner debattieren. Sie debattieren über das Geschlecht der Engel. Zeitverschwendung, denn kurze Zeit später konnten sie die Engel persönlich fragen, nachsehen oder abtasten – denn die Mauern geben nach.
Wann neigen Gesellschaften eigentlich dazu, sich in komplett unnötigen Kulturdebatten zu verlieren? In Zeiten des Überflusses? Sicher auch. Scheinbar aber eben auch in Zeiten des Niedergangs. Irgendwie logisch. Den Luxus, geistige Kapazität auf Bullshit-Debatten zu verschwenden, kann man sich auch noch leisten, wenn sogar das Hungertuch bereits verdaut und ausgeschieden wurde.

