Psychiater: Herr Pfarrer, wie schön sie hier in meiner Praxis begrüssen zu dürfen.
Pfarrer: Bekennt einander eure Sünden, sagte schon Jakobus 5,16
Psychiater: Steht so ähnlich in den psychologischen Lehrbüchern. Nennt sich dort aber Externalisierung von Schuldkomplexen.
Pfarrer: Ja, meine Sünde ist immer vor mir, steht schon so im Psalm 51,5
Psychiater: Und was ist die Sünde, die immer vor ihnen ist Herr Pfarrer?
Pfarrer: Der eucharistische Kelch.
Psychiater: Die Sünde ist im eucharistischen Kelch. Der Messwein?
Pfarrer: Der Epheserbrief, 5,18, besagt, berauscht euch nicht mit Wein, er macht zügellos, sondern lasst euch vom Geist erfüllen. Daran halte ich mich.
Psychiater: Also wenn der Alkohol nicht ihre Sünde ist, was dann?
Pfarrer: Der eucharistische Kelch.
Psychiater: Was ist damit.
Pfarrer: Man soll das heilige nicht den Hunden geben, Matthäus 7,6.
Psychiater: Bitte werden sie bitte konkret. Was ist mit dem Kelch.
Pfarrer: Ich habe ihn verramscht.
Psychiater: Das ist also ihre Sünde. Da stellen sich mir drei Fragen. Erstens: Wie?
Pfarrer: Ich ging zu einem Hehler. Er wog mir dreissig Silberlinge ab. Matthäus 26,15
Psychiater: Gut, zweite Frage, wie führen sie jetzt ohne Kelch die Eucharistie durch?
Pfarrer: Obwohl im Exodus 20,4 klar steht, dass man kein Abbild machen soll, habe ich den Kelch durch eine Fälschung ersetzt. Von Temu.
Psychiater: Eine zweite Sünde?
Pfarrer: Ja, auch diese Sünde belastet mich.
Psychiater: Gut, bevor wir zum klinischen Rosenkranz kommen, möchte ich noch meine dritte Frage stellen: Was haben Sie mit dem Geld aus dem Kelchverkauf gemacht?
Pfarrer: Ich habe es nicht behalten, Geben ist schliesslich seliger als nehmen. Apostelgeschichte 20,35.
Psychiater: Wem haben Sie es gegeben? Bedürftigen? Armen? Waisen?
Pfarrer: Meinem Dealer. Für Hiphop-Hostien.
Psychiater: Also noch eine dritte Sünde.
Pfarrer: Nein, Galater 5,1, zur Freiheit hat uns Christus befreit.


