Psychiater: Herr Präsident, wie geht es ihnen heute?
Präsident: Grundsätzlich gut, natürlich gibt es Rückschläge, aber die sind im diesem Tagesstadium normal.
Psychiater: Das deckt sich nicht mit meinen Notizen, Herr Präsident
Präsident: Ich habe wirklich ein Problem damit, wenn sie sich immer nur auf das negative konzentriert. Es gab da einen kleinen Vorfall, aber insgesamt geht es mir glänzend. Fokussieren wir uns doch auf das Positive.
Psychiater: Sie haben ihr Hemd aufgerissen, sich auf die Brust getrommelt und «Ich bin der Alpha-Affe» gerufen. Das ist doch etwas mehr als ein kleiner Vorfall.
Präsident: Auch wenn es nicht Allen passt, es musste endlich mal gesagt werden.
Psychiater: Während einer Podiumsdiskussion?
Präsident: Ja, wir müssen aufhören, uns immer selbst zu zensieren.
Psychiater: Ein gewisses Mass an Selbstzensur ist zivilisatorisch doch sinnvoll, oder nicht?
Präsident: Zivilisatorisch, was ist das für eine Wort. Zi-vi-li-sa-torisch. Kein Wunder verstehen Leute wie Sie mich nicht. Aber das Volk versteht mich.
Psychiater: Das Volk?
Präsident: Ja, das Volk. Eine alleinerziehende, einbeinige Mutter hat mir geschrieben, sie sei so dankbar, dass endlich mal einer die Sprache des Volkes spricht.
Psychiater: Eine alleinerziehende Mutter hat ihnen geschrieben, sie sei froh, dass sie geschrien haben, sie seien der Alpha-Affe?
Präsident: Ja
Psychiater: War sie auch froh, dass sie anschliessend ihre Hose heruntergelassen haben, um vor ihren Kontrahenten zu urinieren?
Präsident: In der Sache dürfen, nein müssen, Debatten hart geführt werden.
Psychiater: Ihr Verhalten ist doch auch für den Politikbetrieb recht aussergewöhnlich.
Präsident: Wissen sie, wer uns alle Probleme eingebrockt hat? Gewöhnliche Politiker. Gewöhnliche Politiker mit ihren gewöhnlichen Lobbyisten. Wenn sie mich als aussergewöhnlich betiteln, nehme ich das als Kompliment!
Psychiater: Ich lobe oder kritisiere sie nicht. Mein Job ist es, herauszufinden, was ihnen fehlt?
Präsident: Die Frage ist doch nicht, was mir fehlt. Die eigentliche Frage ist, was dem Land fehlt. Und dem Land fehlt es an weiteren Poltikern, die auch den Mut haben, mal anderen vor die Beine zu pinkeln.
Psychiater: Aber doch nicht wortwörtlich.
Präsident: Doch, wortwörtlich. Es reicht nicht zu reden. Man muss auch handeln. Und ich handle.
Psychiater: Von mir aus. Andere Frage, Herr Präsident, haben sie manchmal das Gefühl, dass ihre Aussagen nicht die Realität widerspiegeln?
Präsident: Natürlich tut sie das. Die Realität bin ich.


